Ich hatte einen Tipp bekommen, und so nutzte ich das gute Wetter, um die berühmte US-Militärakademie in West Point zu besuchen. Sie liegt in der Nähe der Kleinstadt Highlands am Hudson River im Staat New York, knapp 2 Autostunden nördlich von Princeton.
Die einzige Gelegenheit, das Gelände der Akademie zu betreten, ist eine geführte Tour mitzumachen. Per Bus wurden wir eine Stunde lang durch den Stützpunkt gefahren und konnten unter anderem die Kapelle sowie den Paradeplatz oberhalb des Flusses mit wirklich schönem Ausblick besichtigen.
Danach stattete ich noch kurz dem angegliederten Museum einen Besuch ab und nutzte den Rest des Tages, um die Bilderbuchlandschaft entlang des Hudson zu erkunden.

Samstag, 29. Dezember 2007
West Point
Donnerstag, 27. Dezember 2007
Three Strikes
...and you're out. Diese Redewendung stammt aus dem Baseball, wo sich ein Schlagmann, der dreimal hintereinander den Ball nicht trifft, wieder auf die Bank setzen darf.
In manchen Staaten der USA, insbesondere Kalifornien, wird damit aber auch ein Ansatz in der Strafjustiz bezeichnet. Intensivtäter werden dort nach dem dritten Gewaltdelikt (Raub, Körperverletzung usw.) mit einer Mindestfreiheitsstrafe von 25 Jahren bedacht. Sie sind somit auch erstmal für einige Zeit draußen. Hierfür muss man den USA höchsten Respekt zollen - Opferschutz und Abschreckung stehen im dortigen Rechtssystem an erster Stelle.
Ein Modell, von dem auch die deutsche Justiz lernen könnte. Laut Zeitungsberichten hatten die beiden Herren mit dem "Migrationshintergrund", die in der Münchner U-Bahn einem Rentner den Kopf eintraten, gemeinsam über 60 Vorstrafen.
Mittwoch, 26. Dezember 2007
Washington DC - Fazit
Washington ist eine facettenreiche Stadt und mit Sehenswürdigkeiten gespickt. Die Bauwerke und Gedenkstätten entlang der National Mall sind beeindruckend, doch man merkt der Stadt hier sehr deutlich an, dass sie geplant wurde und nichts organisch gewachsen ist. Alles wirkt ziemlich steril. Erwähnenswert sind noch die vielen kostenlosen Museen, die das gesamte Spektrum von Wissenschaft über Politik bis zur Kunst abdecken. Hier können nicht viele Städte mithalten. Mit Stadtvierteln wie Adams Morgan oder Georgetown gibt es in DC aber auch Gegenden, die über die Jahre gewachsen sind und somit eher europäisch anmuten.
Unzureichend sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Metro ist zwar sauber und pünktlich, das Streckennetz ist jedoch äußerst begrenzt, auch auf der National Mall muss man teilweise lange Fußwege in Kauf nehmen. Andere Viertel wie etwa Georgetown oder Adams Morgan werden nur per Bus bedient.
Das größte Problem in Washington ist jedoch die Sicherheit. Unser Kneipenführer Marc drückte es so aus:
Die Stadt ist in 4 Quadranten eingeteilt. Wir befinden uns in Nordwest, der ist sicher. Die anderen nicht.
Schon bei der Anfahrt sah ich unheimlich viele halbseidene Gestalten auf der Straße herumlungern und Gebäude am Straßenrand auseinanderfallen, bis sich etwa 2 Kilometer von meinem Hotel entfernt das Straßenbild wandelte. Hochhäuser dominierten plötzlich den Horizont, und man konnte in der Ferne schon die Monumentalbauten entlang der National Mall ausmachen.
In Washington wird man bald einen Bürgermeister brauchen, der die Stadt gründlich aufräumt. So wie Rudolph Giuliani es in New York in den 90er Jahren tat oder Nicolas Sarkozy, der mit dem Hochdruckreiniger saubermacht.
Dienstag, 25. Dezember 2007
Marineakademie Annapolis
Weihnachten selbst nutzte ich für die Heimfahrt, da an diesem Tag Amerika quasi stillsteht - fast alle Restaurants, Geschäfte, Museen usw. haben geschlossen. Zuerst fuhr ich ins etwa 50 Kilometer östlich von Washington gelegene Annapolis, der Hauptstadt von Maryland und auch Sitz der United States Naval Academy.
Ich hatte an diesem Tag großes Glück mit dem Wetter, sonnige 10° C unter strahlend blauem Himmel. Außerdem hatten Hard Bean Coffee & Booksellers im historischen Zentrum von Annapolis geöffnet, und so kam ich doch noch zu meinem Frühstück.
Auch das Gelände der Naval Academy konnte ich betreten (die Sicherheitsschleuse war mit 4 Polizisten richtig gut besetzt). Insgesamt haben mich aber die Ivy-League Universitäten mehr beeindruckt, auch wenn die Marineakademie aufgrund ihrer Lage direkt am Meer wohl gerade im Sommer durchaus ihre Reize hat.

Annapolis ist übrigens auch ein sehr sehenswertes Städtchen, es gibt eine Mange historischer Bauten und eine lebendige Hauptstraße mit vielen kleinen Geschäften. Erinnerte mich an Georgetown.

Auf dem Heimweg legte ich nicht die gesamte Strecke per Autobahn zurück, sondern fuhr durch das Hinterland Marylands über eine der vielen Nebenstraßen (America's Scenic Byways). Die MD 213 war im Kartenmaterial, welches ich am Samstag abgestaubt hatte, empfohlen worden. Somit konnte ich einen weitaus besseren Eindruck von Maryland gewinnen, als dies auf der Hinfahrt möglich war.

Beim Verlassen Marylands jubilierte ich schon, den Wegzoll eingespart zu haben. Aber dann sorgte die Delaware Turnpike Authority doch noch für ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art.
Trotzdem ein unvergesslicher Ausflug, ich hätte im Nachhinein mal wieder nichts anders gemacht.
Montag, 24. Dezember 2007
Kapitol
Heute stand ein Besuch des US-Kapitols auf dem Programm. Dies ist der Sitz des amerikanischen Parlaments, Kongress genannt, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus.
Da an Heiligabend relativ wenig los war in Washington, konnten wir knapp 90 Minuten vor Beginn der Tour unsere kostenlosen Tickets abholen - im Normalfall ist mit deutlich längeren Wartezeiten zu rechnen. Ich nutzte die Zwischenzeit, um die nähere Umgebung des Kapitols zu erkunden und kam unter anderem am Obersten Gerichtshof (Supreme Court) vorbei.

Die Führung selbst ging relativ zügig voran - wir kamen lediglich in den Empfangsraum sowie eine Kammer mit Statuen aus allen US-Staaten und Territorien. Unter anderem ist dort auch ein schwergewichtiger polynesischer König vertreten. Er wurde allerdings in eine Ecke verbannt, da er sonst durch den Marmorfußboden krachen würde. Die aus dem Fernsehen bekannten Sitzungsräume von Senat und Abgeordnetenhaus wurden uns leider vorenthalten.
Anschließend machte ich mich nochmals auf den Weg nach Arlington, diesmal allerdings zur Nordseite des Friedhofs, um dort die größte Bronzestatue der Welt zu bewundern. Sie zeigt Soldaten des US Marine Corps beim Hissen der amerikanischen Flagge auf der Pazifikinsel Iwo Jima während des zweiten Weltkriegs.
Ich fuhr mit der U-Bahn zurück ins Stadtzentrum und ging zum Weißen Haus, welches bei näherer Betrachtung weitaus weniger pompös wirkt, als ich es mir eigentlich vorgestellt hatte. Britisches understatement in den Vereinigten Staaten.

Nun wollte ich noch eines der vielen Museen in Washington besuchen und entschied mich für das Smithsonian National Air and Space Museum. Wie die vielen anderen Smithsonian-Museen entlang der National Mall ist auch dieses unentgeltlich zu betreten und qualitativ hochwertig. Von den Grundprinzipien des Fliegens über den ersten Flug der Gebrüder Wright, die militärische Luftfahrt im zwanzigsten Jahrhundert bis hin zur Mondlandung und den nachfolgenden Apollo-Missionen gab es dort alles zu sehen, was mit Luft- und Raumfahrt zu tun hat.
Um halb sechs schloß das Museum, und ich nutze die Gelegenheit, noch ein paar Fotos im nächtlichen Washington zu schießen. Da an Heiligabend die Essens- und Ausgehoptionen ziemlich begrenzt waren, kehrte ich nicht allzu spät wieder in die Herberge zurück.

Sonntag, 23. Dezember 2007
Pentagon, Arlington, Georgetown
Auch der Sonntag wurde für Stadtbesichtigungen genutzt. Los ging es am Pentagon, wo wir gleich nach dem Verlassen der U-Bahnstation von der Polizei empfangen und gefragt wurden, was wir denn hier suchten. Nach kurzer Konversation wurden wir mit dem Hinweis, keine Fotos zu schießen, in Richtung des Gebäudes geschickt. Es handelt sich dabei, wie der Name schon sagt, um ein fünfeckiges, eher unspektakuläres Gebäude, welches, von Parkplätzen und Baustellen gesäumt, darüber hinaus noch unmittelbar an der Autobahn liegt.
Daher stiegen wir kurz darauf wieder in die U-Bahn und fuhren eine Station weiter zum amerikanischen Nationalfriedhof in Arlington. Dort liegen über 300.000 Veteranen aller amerikanischen Kriege begraben. Wir sahen unter anderem das Grab John F. Kennedys und die Wachablösung am Grab des unbekannten Soldaten. Natürlich gibt es auch an einem solchen Ort ein Visitor Center mitsamt dem obligatorischen Geschenkeladen (Gift Shop).
Als Kontrastprogramm gingen wir anschließend noch in das lebenslustige Viertel Georgetown, wo sich unzählige Bars, Restaurants und Geschäfte aneinanderreihen. Dort gibt es keine Hochhäuser, dafür aber ein über Jahrhunderte gewachsenes Straßenbild mit alten Backsteinhäusern zu bewundern. Ein ausgezeichnetes Abendessen in einer Crêperie beendete den Tag.
Samstag, 22. Dezember 2007
Washington DC
Das Wochenende und Weihnachten verbrachte ich in Washington DC. Die Anfahrt am Samstag gestaltete sich in dreieinhalb Stunden erstaunlich flüssig. Lediglich die 4$ Passiergeld, die mir beim Grenzübertritt nach Maryland abgepresst wurden, empfand ich als etwas happig. Dafür konnte ich mich aber ein paar Meilen später mit reichlich kostenlosem Kartenmaterial eindecken und somit einen gewissen Return on Investment erzielen.
Den Rest des Tages nutzte ich, um die Gedenkstätten westlich der National Mall für die US-Präsidenten Abraham Lincoln, Thomas Jefferson und Franklin D. Roosevelt sowie die Kriegsdenkmäler für den Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie den Korea- und Vietnamkrieg zu besichtigen. Besonders beeindruckt hat mich dabei das Mahnmal für den Zweiten Weltkrieg aufgrund seiner Größe und der imposanten Wasserspiele.
Nach soviel Fußmarsch und einem kurzen Abendessen beim Mexikaner checkte ich in der Jugendherberge ein. Dort sah ich sofort ein Plakat für den Adams Morgan Pub Crawl, welcher am gleichen Abend stattfinden sollte. Um 20 Uhr fand sich unsere Gruppe in der Lobby ein, bestehend aus einer Niederländerin, einem Koreaner, zwei Australiern, unserem einheimischen Führer Marc und mir. Ich hatte somit mal wieder Gelegenheit, meine Englischkenntnisse auszuprobieren.
Das Ziel unserer Kneipentour war wie gesagt das Viertel Adams Morgan, bekannt für seine vielen Bars und Restaurants. Es entstand im Zuge der Aufhebung der Rassentrennung an öffentlichen Schulen und ist nach zwei High Schools, einer schwarzen und einer weißen, benannt.
Wir liefen zuerst etwas durch die Gegend, und Marc zeigte uns einige Murals (einigermaßen ansehnliches Graffiti) an den Wänden. Interessanter ist die stadtpolitische Entwicklung des Viertels: Ursprünglich für Minderheiten konzipiert, hat es sich dank besagter Ausgehmöglichkeiten zu einem beliebten und daher teuren Wohnviertel gewandelt, was der ursprünglichen Intention etwas zuwider läuft. Besonders deutlich wurde dies in einer Seitenstraße, wo unmittelbar neben einem heruntergekommenen alten Gebäude ein moderner Apartementblock stand.
Nun kamen wir aber zum Hauptteil des Abends und suchten, dank der fachkundigen Führung Marcs, einige der zahllosen Bars auf (in einer Kneipe gab es Aquarien anstatt der üblichen Fernseher zu bewundern). Nach einigen Pints endete der erste Abend in Washington zwischen 2 und 3 Uhr des nächsten Morgens.
Donnerstag, 20. Dezember 2007
Weihnachtsfeier
Meine Besuche in Malvern haben sich mal wieder ausgezahlt, bin nämlich auch dort zur Weihnchtsfeier eingeladen worden.
Diese fand in den mit 4,2 km² Gesamtfläche großzügig angelegten Longwood Gardens statt. Es handelt sich hierbei um eine riesige Parkanlage mit einigen Konservatorien, in denen Pflanzen aus allen Teilen der Erde zur bewundern waren. Durch die aufwendige Dekoration mit unzähligen Lichtern kam sogar richtige Weihnachtsstimmung auf. Das Dinner-Buffet war ebenfalls hervorragend. Außerdem gab es für jeden noch ein kleines Weihnachtsgeschenk.
In diesem Sinne wünsche ich jedem Leser hier frohe und gesegnete Weihnachten!
(Auf amerikanisch heißt das jetzt Happy Holidays, einen religiösen Bezug lässt man nämlich besser weg, es soll sich ja niemand discriminated against fühlen.)
Mittwoch, 19. Dezember 2007
Besuch von der Westküste
Vom 16.12 bis 19.12 war ein echter Westküsten-Homie hier - Paul aus Oakland, Ca. Habe ihm bei dieser Gelegenheit die schönen Seiten der Ostküste vorgestellt.
Am Sonntag haben wir bei ständigem Regen den Campus der Universität von Princeton besichtigt und den laut Auskunft eines Einheimischen besten Kaffee Princetons bei Small World Coffee getrunken. Die Einschätzung kann ich nur bestätigen, besonders der Mandelcappucino ist sehr zu empfehlen.
Am Nachmittag ging es weiter nach Philadelphia, da ein echter Amerikaner natürlich einmal die Liberty Bell sowie die Independence Hall gesehen haben sollte.
Diesmal hatten wir, verglichen mit meinem ersten Besuch im Oktober, besonderes Glück mit den Führern. Diese nahmen sich nämlich für die im Dezember wesentlich kleinere Gruppe deutlich mehr Zeit.
Zum ersten Mal besuchte ich an diesem Tag auch die Congress Hall, wo seinerzeit der erste amerikanische Kongress tagte. Der Führer hier, übrigens ein echter Amerikaner (sprich indianischer Abstammung), verteilte sogar ein kleines Weihnachtsgeschenk in Form eines sonst nur käuflich zu erwerbenden National Park Service-Handbuchs. Ein Besuch der University of Pennsylvania, des Philadelphia Art Museums (natürlich nur von außen) sowie der South Street beendeten den Tag in Philly.
Montag und Dienstag musste ich Paul natürlich den Höhepunkt der amerikanischen Ostküste, die eigentliche Hauptstadt der USA und wahrscheinlich sogar der Welt näher bringen - New York.
An den beiden Tagen besichtigten wir die wichtigsten Stationen in New York, die allesamt unter der Rubrik New York an anderer Stelle bereits erwähnt sind.
Zum ersten Mal konnte ich am Montag allerdings den Ausblick von einem Wolkenkratzer auf die Stadt genießen - wir begaben uns auf die Top of the Rock genannte Aussichtsplattform am Rockefeller Center. Der Blick auf die Stadt war atemberaubend, das Rockefeller Center bietet darüber hinaus den Vorteil, von dort das wohl prächtigste Hochhaus New Yorks sehen zu können - das Empire State Building. Anstehen mussten wir, aufgrund des günstig gewählten Termins montags um 16:30, so gut wie gar nicht, und dank eines Rabattgutscheins war der Besuch der Aussichtsplattform auch gar nicht so teuer.
Dienstag abends gönnten wir uns noch ein ordentliches Stück Fleisch im KC Prime Steakhouse in Princeton, bevor ich Paul mittwochs um 7:00 in aller Herrgottsfrüh zum Flughafen bringen musste. Insgesamt drei sehr erlebnisreiche Tage.
Donnerstag, 13. Dezember 2007
WRFF Philadelphia
Radio hören in den USA kann ganz schön nervig sein - gute Musiksender sind unter all den Talk Radio Stationen schwer ausfindig zu machen. Außerdem können einen die ständigen Werbeunterbrechungen zur Weißglut treiben.
Glücklicherweise gibt es hier in der Gegend genau einen ordentlichen Sender - Radio 104.5 WRFF Philadelphia. Habe in Deutschland nie ein so hochwertiges Musikprogramm gehört. Fast ausschließlich alternative Rock, kein Geschwätz zwischen den Liedern, keine Gewinnspiele, kaum Werbung.
Wer zu Hause ein gutes Web-Radio sucht, sollte mal reinhören.
Links:
Mittwoch, 12. Dezember 2007
Mikrobrauerei
Nach langer Zeit habe ich es endlich mal wieder geschafft, in eine der gar nicht so kleinen Mikrobrauereien (micro breweries) zu gehen, und zwar ins McKenzie Brewhouse zu Malvern. Das Bier an sich war dort nicht gerade berauschend - Spezialität des Hauses: Black Lab Stout. Ein "Starkbier" (5,8%) mit Schokoladen-, Kaffee- und Lakritzgeschmack (Oatmeal style stout, opaque in color, full-bodied, silky smooth with hints of chocolate, coffee and licorice).
Da waren die Tricolor Nachos schon eher nach meinem Geschmack - eine der besten Mahlzeiten, die ich bisher in Nordamerika genießen durfte.
Laut der Kellnerin hat es bisher noch kein Gast geschafft, diese Portion aufzuessen, und auch ich mußte nach drei Vierteln passen. Mit vollem Magen und dem guten Gefühl, mich dem seelenlosen Kettenfraß verweigert und stattdessen einen lokalen Betrieb unterstützt zu haben, verließ ich letztendlich das Brauhaus.
Sonntag, 9. Dezember 2007
Bronx
Habe heute Ansgar nochmals in New York getroffen, bevor er demnächst wieder nach Europa zurückfliegt. Vom Times Square gingen wir zum an anderer Stelle bereits erwähnten Lever House, welches am Sonntag aber unverschämterweise geschlossen hat. Somit konnten wir die toten Schafe nur durch die Scheibe bestaunen.
Danach wollten wir eigentlich per U-Bahn zum Stadion der New York Yankees fahren, entschieden uns aber spontan, eine in Ansgars Reiseführer als Little Italy beschriebene Gegend in der Bronx aufzusuchen. Nach einiger Zeit fanden wir die beschriebenen Straßenzüge und kehrten schließlich in einer Pizzeria ein. Laut einer Tafel dort befanden wir uns hier im wahren Kleinitalien, die Version in Manhattan wäre nur eine Touristenattraktion.
Wir liefen danach noch einige Zeit durch die Bronx, unter anderem dadurch bedingt, dass wir uns nicht nach Westen orientiert hatten, wie ursprünglich geplant, sondern auf eine U-Bahnstation im Osten zuliefen. Dies bot allerdings den Vorteil, dass wir noch am Bronx Zoo vorbeikamen. Insgesamt tagsüber keine so üble Gegend.
Wir machten nach erfolgreicher Rückkehr in die Zivilisation Manhattans noch einen Abstecher nach Chinatown. Ansgar nahm daraufhin die U-Bahn zum Flughafen, und ich fuhr nach kurzer Inspektion des Weihnachtsbaumes am Rockefeller Center per Zug ins regnerische New Jersey zurück.
Montag, 3. Dezember 2007
Hockey und das US-Bankensystem
Eine in der Tat interessante Geschichte. Sie begann am Freitag Abend beim Hockeyspiel der Princeton Tigers gegen das Rensselaer Polytechnic Institute (RPI). Da man sich beim Hockey nach 20 für amerikanische Verhältnisse erstaunlich flüssigen Minuten eine 15-minütige Pause verdient hat, nutzte ich die Zeit, etwas auf dem Hobey Baker Rink herumzulaufen. Dabei füllte ich auch eine Karte beim Werbestand der Bank of Princeton aus.
Umso größer war meine Überraschung, als mein Name in der Mitte des zweiten Drittels aufgerufen wurde. Am Stand erfuhr ich, dass ich mich für das Spiel 5 for 25 angemeldet hatte und mein Los aus der Trommel gezogen worden war. Nun bestand meine Aufgabe darin, in der nächsten Drittelpause 5 Pucks von der blauen Linie aus im Tor unterzubringen. Für jeden Treffer würde ich 25 $ erhalten, plus 25 $ Startgeld.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, die Fans mit einem kleinen Kunstschuss zu beeindrucken. So schoss ich den zweiten Puck halblinks vor das Tor, um danach den dritten Puck durch einen sehenswerten Abpraller am zweiten Puck im Tor unterzubringen. Insgesamt konnte ich 3 Treffer erzielen und hatte somit 100 $ gewonnen, keine schlechte Rendite an diesem Abend bei nur 9 $ Eintritt. Das durchaus spannende Spiel verloren die Tigers übrigens mit 3:4.
Am Montag machte ich mich nun in der Mittagspause mit Dollarzeichen in den Augen auf den Weg zur Bank of Princeton, um mein Geld abzugreifen. Immerhin hatte ich am Freitag die Bedingungen insoweit verstanden, als dass die Auszahlung des Gewinnes mit der Eröffnung eines Kontos verknüpft sei. Daher nahm ich auch meine sämtlichen Unterlagen mit zur Bank.
Dort eröffnete man mir das Kleingedruckte: Im Wesentlichen muss das Konto mindestens 3 Monate bestehen bleiben, und die 100 $ sind die Obergrenze, bis zu der die Bank von mir eingezahltes Kapital verdoppelt. Im Klartext: Ich muss 100 $ einzahlen, die Bank legt 100 $ drauf, und ich habe 200 $.
Nach eingehender Prüfung meiner Unterlagen ("Haben Sie noch ein weiteres Ausweisdokument außer Ihrem Reisepass dabei?" - "Nein, mehr ID gibts nicht".) drang ich zu einer wirklich sehr freundlichen Sachbearbeiterin vor. Nach kurzer Überlegung eröffnete ich schließlich einen Premier Passport Savings Account. Es handelt sich hierbei um das exakte Äquivalent eines deutschen Sparbuchs. Dieses bietet neben grotesk niedrigen Zinsen von 0,50% noch nicht mal die Möglichkeit, den aktuellen Stand per Internet abzufragen. Allerdings waren alle anderen Sparkonten (Savings Accounts) entweder mit Gebühren behaftet oder wiesen absolut lachhafte Konditionen auf. Mein Favorit war dabei der Premier Statement Savings Account, welcher immerhin 3,25% bei mindestens 250.000 $ (in Worten: zweihundertfünfzigtausend) Guthaben abwirft.
Somit galt es nur noch eine Hürde zu nehmen: Wie bekommt man in einer führenden Industrienation 100 $ auf sein Sparbuch? In einem Land, in dem man noch Schecks mit der Post verschickt und Überweisungen (Wire Transfers) nahezu ein Fremdwort sind? Man geht zur ersten Bank, lässt sich Geld am Automaten auszahlen, und trägt es zur zweiten Bank. So bescherte mir der frühe Nachmittag noch einen schönen Spaziergang durch Princeton.
Nach gerade mal 2 Stunden hatte ich dann meine Bankgeschäfte abgeschlossen und konnte zur Arbeit zurückkehren. Nun habe ich bis März Zeit mir zu überlegen, wie ich diesen unverhofften Geldsegen verprassen werde.















