Das Wochenende stand ganz im Zeichen des Passivsports. Den Anfang machten wir am Samstag mit dem Besuch des American Footballspiels der Princeton Tigers gegen die Yale Bulldogs. Diesmal waren wir eine wirklich große Gruppe - um die zwanzig Siemens-Praktikanten. Das Spiel sollte um 13 Uhr beginnen, doch wir trafen uns bereits zwei Stunden vorher auf dem Parkplatz zum Grillen - ein gutes Gefühl, den Tag mit einem Hamburger zu beginnen, und gleichzeitig der Höhepunkt der gesamten Veranstaltung. Der Parkplatz vor dem Powers Field war ziemlich voll, da die meisten amerikanischen Footballfans das vorherige Barbecue ausgiebig zelebrieren - es ist beinahe wichtiger als das eigentliche Spiel.
Zu letzterem gibt es nicht viel zu sagen; welch spannende Angelegenheit American Football ist, habe ich
an anderer Stelle bereits beschrieben. Im Stadion herrschte die Atmosphäre eines lockeren Familienpicknicks: Kinder tollten auf den Bänken herum, die Erwachsenen waren mit Essen oder Plaudern beschäftigt. Die unwichtigste Nachricht dieses Nachmittags: Princeton bekam von Yale mit 6-27 die Hucke voll.
Den Abend verbrachten wir auf einer Bowlingbahn, wo wir uns aufgrund der unerhörten Preise jedoch für Poolbillard entschieden.
Am Sonntag besuchte ich dann ein Basketballspiel, es traten die
Princeton Tigers gegen die
Blue Devils der Central Connecticut State University an. Ein unterhaltsames Spielchen entwickelte sich, bei welchem die Tigers letztendlich mit 59-57 hauchdünn die Oberhand behielten. Auf Dauer ist mir aber auch Basketball zu langweilig, aufgrund der ständigen Unterbrechungen und des rhythmischen, vorhersehbaren Spielablaufs kommt höchstens in der letzten Minute Spannung auf.
Nach dem Standfußball am Samstag und dem gerade zu Ende gegangenen körperlosen Sport musste ich den Tag noch mit einer richtigen Sportart ausklingen lassen. Es war mittlerweile 16 Uhr, und auf dem Powers Field neben der Basketballhalle begann das Spiel der
Princeton Tigers gegen die
Yale Bulldogs. Fussball -
the beautiful game. Unterbrechungsfreier Spielfluss, Atmosphäre im Stadion.
Allerdings hat sich beim Fussball hierzulande eine Unsitte eingeschlichen: Eine ständig eingeblendete Uhr zählt in jeder Halbzeit 45 Minuten nach unten. Die Halbzeit endet exakt dann, wenn die Uhr (in der letzten Minute auf die Zehntelsekunde genau) abgelaufen ist. Es gibt somit keine Nachspielzeit. Die letzten 10 Sekunden wurden vom Stadionsprecher obendrein noch laut heruntergezählt, und das Pausensignal war nicht etwa ein Pfiff des Schiedsrichters, sondern eine Hupe wie beim Eishockey.
Insgesamt zeigten beide Mannschaften sowohl hohe Laufbereitschaft als auch vorbildlichen Einsatzwillen, allerdings waren etliche technische und spielerische Defizite nicht von der Hand zu weisen. Man kann dem Spiel somit höchstens Landesliga-Niveau zugestehen, besonders die Abschlußschwäche der Princeton Tigers muss als eklatant bezeichnet werden. Die erste und große Teile der zweiten Halbzeit plätscherten eher uninspiriert dahin, bis die Bulldogs in der 78. Minute den überfälligen Führungstreffer erzielen konnten. Brad Rose musste den Ball nach wildem Gestochere im Strafraum nur noch aus kurzer Distanz zum 1:0 einschießen. Die Hintermannschaft der Tigers erweckte in dieser Szene den Eindruck eines aufgescheuchten Hühnerhaufens. Princeton ließ in der Folge eine weitere Großchance zum Ausgleich ungenutzt. In der 90. Minute fiel dann die Entscheidung, als Kevin Pope einen schönen Konter zum verdienten 2:0 Endstand für die Bulldogs abschloß.
Ein Wort noch zur Stimmung bei den jeweiligen Sportarten: Beim Fussballspiel am Sonntag fand sich nur ein Bruchteil der Zuschauer des samstäglichen American Footballspiels ein, dazu herrschten, gerade in der zweiten Hälfte, niedrigere Temperaturen als am Vortag. Dennoch war die Atmosphäre im Stadion um Welten besser. Echte Fans eben.

Zur Stimmung beim Basketball nur dieses Zitat des Hallensprechers:
Bitte nehmen Sie beim Jubeln Rücksicht auf die Zuschauer um Sie herum und vermeiden Sie abfällige Kommentare. Bei Zuwiderhandlung werden Sie der Halle verwiesen.
Allen Abteilungen der Princeton Tigers und ihren jeweiligen Gegnern herzlichen Dank für dieses sportliche Wochenende!